Zurück | Schlaf | 16.04.2026

Wann sind Memorymatratzen oder Kissen sinnvoll?

Die als einfache, druckentlastend und formanpassend angebotene Matratzen und Kissen-Kategorie, verdient eine individuelle und differenzierte Betrachtung.

Fritz Leibundgut

Fritz Leibundgut
Gründer, Geschäftsleitung

Viskomatratzen und Memoryschaum: Was steckt dahinter?

Seit in Krankenhäusern sog. Memorymatratzen mit viskoelastischen oder temperaturelastischen Schäumen gegen das Wundliegen verwendet wurden, bietet auch jedes Matratzengeschäft sogenannte Viskomatratzen und viskoelastische Kissen an. Das Besondere an diesen synthetischen Schäumen ist, dass sie sich bei Druck nur langsam verformen. Viele Viskoschäume reagieren zusätzlich auf Wärme und sind «temperaturelastisch».

Druckentlastung und Bewegungseinschränkung

Der Körper kann somit stärker in die Matratze oder das Kissen einsinken und wird druckentlastet. Durch die Trägheit des Schaummaterials entsteht ein grösserer Widerstand beim Bewegen auf der Matratze. Der dadurch entstehende Halt kann durch die Bewegungseinschränkung bei akuten Rücken- und Körperbeschwerden zu einer Linderung der Schmerzen führen.

Dieser kurzfristige Effekt führte häufig zu Empfehlungen von Ärzten und Therapeuten und auch zu einer raschen Verbreitung dieses Kissen- und Matratzentyps. Dass die Bewegungseinschränkungen durch Kissen und Matratzen langfristig aber auch nachteilige Wirkung auf die Wirbelsäule und den Bewegungsapparat haben können, zeigen viele Erkenntnisse aus Medizin, Therapie und Ergonomie. Anstelle von Ruhigstellen ist heute Bewegung und Mobilisation angesagt.

Wählen Sie deshalb nicht einfach eine Viskoauflage, wenn Ihre Matratze zu hart ist und Ihr Körper Druckentlastung braucht. Es gibt hochwertige, druckentlastende Materialien ohne Trägheit und Bewegungseinschränkung.

Wann kann eine Viskomatratze sinnvoll sein?

Wenn Sie aber ein akutes Gesundheitsproblem haben und jede Bewegung Schmerzen auslöst, dann ist eine bewegungseinschränkende Auflage oder Matratze vorübergehend genau richtig – so wie ein Korsett, eine Schiene oder ein Fixierungsverband. Im Gegensatz zu den medizinischen Fixierungen, welche baldmöglichst abgesetzt werden, bleibt die Memorymatratze oder Auflage oft jahrelang in Gebrauch. Dies kann das bestehende Symptom verschleppen oder Nebenwirkungen zum Vorschein bringen. Bei betagten Menschen wird auch eine Verminderung der Körperwahrnehmung beobachtet.

Temperatur, Feuchtigkeit und weitere Nachteile

Viele Benutzer von viskoelastischen Kissen, Auflagen oder Matratzen klagen zudem über vermehrtes Schwitzen oder Frieren. Die meisten Memory- und Viskoschaüme speichern viel Wärme und behindern die Feuchtigkeitsregulation. Das synthetische Material kann schlanke Frauen aber trotzdem frieren lassen.

Zur Abhilfe wird versucht, Schurwollauflagen für eine bessere Wärme- und Feuchtigkeitsregulation auf die Viskomatratzen zu legen. Dadurch gelangt jedoch weniger Körperwärme auf den Schaum, was wiederum die Formanpassung behindert. Andere Benutzer klagen, dass ihnen solche Matratzen zu fest oder zu weich seien, obwohl die Werbung verspricht, das Viskomaterial sei so formanpassend, dass die Festigkeit der Matratze keine Rolle mehr spiele. Dieser Irrtum wird durch die unzähligen Produkte in unterschiedlichster Festigkeit und Zusammensetzung ganz offensichtlich. Auch träge Viskoschaüme verformen sich, abgesehen von der Langsamkeit der Schäume, aufgrund des Gewichts des Körpers. Sie befinden sich damit im Bettenkarussell wie mit allen anderen Matratzen.

Fazit

Viskoelastische Kissen und Matratzen schränken die Bewegung ein. Bei Krankheitsfällen kann diese gewünscht sein. Es empfiehlt sich jedoch, eine Auflage anzuschaffen, welche wieder entfernt werden kann. Die Probeschlafmöglichkeiten innerhalb des Leibundgut Schlafkonzeptes ermöglichen es Ihnen, den Körper zu befragen, ob und mit welchem Produkt er Bewegungseinschränkung als schmerzlindernd empfindet.

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