Zurück | 10 Irrtümer | 04.02.2026

Irrtum 05: Kissen und Matratzen müssen Halt geben

Viscoelastische Kissen und Matratzen versprechen Druckentlastung und Schmerzlinderung. Doch dauerhafte Bewegungseinschränkung kann langfristig nachteilig sein.

Fritz Leibundgut

Fritz Leibundgut
Gründer, Geschäftsleitung

«Ganz nach dem Motto mobilisieren statt fixieren ist es nicht sinnvoll, die Bewegungen im Schlaf durch viskoelastische Kissen oder Matratzen dauerhaft einzuschränken.»

Warum viskoelastische Materialien so beliebt sind

Seit viskoelastische Schaummatratzen in Krankenhäusern erfolgreich zur Vermeidung von Wundliegen eingesetzt werden, haben sie auch im privaten Bereich stark an Bedeutung gewonnen. Heute finden sich Viskomatratzen und viskoelastische Kissen in nahezu jedem Matratzengeschäft.

Das Besondere an diesen synthetischen Schäumen ist ihre träge Verformung. Unter Druck reagieren sie langsam und passen sich der Körperform zeitverzögert an. Viele Materialien sind zusätzlich temperaturabhängig und werden durch Körperwärme weicher.

Druckentlastung mit Nebenwirkungen

Durch das stärkere Einsinken wird der Körper effektiv druckentlastet. Gleichzeitig entsteht ein erhöhter Widerstand bei Bewegungen. Diese Trägheit vermittelt Halt und kann bei akuten Rücken- oder Körperbeschwerden kurzfristig zu einer spürbaren Linderung führen.

Druckentlastung, schmerzlindernde Effekte sowie Empfehlungen aus Medizin und Therapie haben zur raschen Verbreitung dieser Materialien beigetragen.

«Was kurzfristig entlastet, kann langfristig zu Einschränkungen führen.»

Warum Bewegung im Schlaf wichtig ist

Aktuelle Erkenntnisse aus Medizin, Therapie und Ergonomie zeigen, dass dauerhafte Bewegungseinschränkungen auch im Schlaf nachteilig sein können. Unser Körper ist nicht für Ruhigstellung gemacht. Bewegungen im Schlaf gehören zu einem gesunden Regenerationsprozess.

Anstelle von Fixierung steht heute Mobilisation im Vordergrund. Systeme, die Bewegungen dauerhaft hemmen, können die Wirbelsäule und den Bewegungsapparat langfristig belasten.

Probleme mit Schlafklima und Festigkeit

Viele Nutzer viskoelastischer Kissen oder Matratzen berichten über vermehrtes Schwitzen oder Frieren. Viskoschäume speichern Wärme und erschweren die Feuchtigkeitsregulation. Trotz der wärmenden Eigenschaften frieren insbesondere schlanke Personen häufig.

Um das Schlafklima zu verbessern, werden oft Schurwollauflagen eingesetzt. Dadurch gelangt jedoch weniger Körperwärme an den Schaum, was wiederum die Formanpassung beeinträchtigt.

Ein weiterer Irrtum ist die Annahme, dass bei Viskomaterialien die Festigkeit keine Rolle mehr spiele. Tatsächlich macht der viskoelastische Schaum meist nur einen Teil der Matratzenhöhe aus. Die Gesamtstützung wird weiterhin vom gesamten Bettsystem bestimmt.

Warum Visko keine Universallösung ist

Auch viskoelastische Materialien reagieren letztlich auf Druck und Gewicht. Unterschiedliche Festigkeiten, Zonen, Höhen und Unterfederungen bleiben entscheidend. Der Matratzen-Dschungel wird durch Viskomatratzen nicht einfacher.

Bei akuten Krankheitsbildern kann eine zeitlich begrenzte Bewegungseinschränkung sinnvoll sein. In solchen Fällen empfiehlt sich jedoch eher eine Auflage, die wieder entfernt werden kann, als der Kauf einer Matratze für viele Jahre.

«Druckentlastung ist wichtig, aber nur ohne dauerhafte Bewegungseinschränkung sinnvoll.»

Der entscheidende Gedanke

Ein gutes Bettsystem gibt Halt, ohne zu fixieren. Es unterstützt den Körper, lässt aber natürliche Bewegungen zu. Heute ist dies dank sanfter Naturmaterialien auch ohne Nachteile beim Schlafklima möglich.

Möchten Sie wissen, welche Lösung zu Ihnen passt?

Gerne zeigen wir Ihnen, wann viscoelastische Materialien sinnvoll sind und welche Alternativen Bewegungsfreiheit, Stützung und ein angenehmes Schlafklima vereinen.

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